Gott ist kein ICH, sondern immer schon ein DU und ein WIR

Newsletter der Pfarrei St. Marien Baesweiler
"Geistlicher Impuls"


Geistlicher Impuls zum Sonntag - Dreifaltigkeitssonntag 2026

tabernakeltuer-admont-anwendung_by_martin_manigatterer_pfarrbriefservice

Friedrich II. (um 1200 römischer Kaiser) wird ein makabres Experiment zugeschrieben: Er wollte die ursprüngliche Sprache der Menschheit ergründen – und ließ neugeborene Babys ihren Müttern wegnehmen und Ammen übergeben, die sie nähren und baden sollten, aber kein Wort mit ihnen sprechen und sie nicht liebkosen sollten.
So wollte er herausfinden, ob die ersten Worte der Kinder Lateinisch, Griechisch oder sogar Arabisch sein würden.

Aber so weit ist es nicht gekommen, denn – so die Überlieferung – alle Babys starben, obwohl sie körperlich gut genährt und versorgt waren.

Auch wenn die historischen Belege für dieses makabre Experiment heute eher in Frage gestellt werden, der Ausgang kann uns als Christen eigentlich nicht verwundern.
Der Mensch lebt nicht von Brot allein – sagt Jesus (Mt 4,4).

Kein Mensch kann ohne ein DU und ohne die Kommunikation mit diesem DU leben.
Und das hat sehr viel mit dem heutigen Dreifaltigkeitsfest zu tun.

Gott ist kein ICH, sondern ein WIR.
Gott ist kein Gott, der ICH sagt und sich selbst genügt – für den das „Du-sagen“ eine reine Gefälligkeit wäre, etwas, was man auch sein lassen könnte.

Gott ist anders. Er sagt von allem Anfang an DU. Wir verstehen Gott und die Welt nur, wenn das erste, was es in der Welt überhaupt gab, diese Bewegung von sich weg zum anderen ist. 
Nicht ICH, sondern DU und WIR.

Gott ist die Liebe – so betont es der 1. Johannesbrief immer wieder. Liebe aber ist nicht denkbar ohne DU – ohne das WIR der Liebenden.

Dreifaltigkeit ist viel mehr als ein Denkexperiment von Theologen. Dreifaltigkeit ist ein Lebensentwurf. Ein Ansatz zum Verständnis vom Sinn des Lebens:
Wenn Gott von Anfang an nicht ICH sagt, sondern DU, wenn er sogar selbst ein WIR ist – und wenn der Mensch nach dem Bild Gottes geschaffen ist, dann ist auch der Mensch von Anfang an auf das DU und auf das WIR hin angelegt; dann gehört das sozusagen zum genetischen Programm des Menschen – und dann ist auch klar, warum die Babys in diesem gruseligen Experiment sterben mussten.
Es gibt kein menschliches Leben ohne DU und ohne WIR.

Was macht den Menschen zum Menschen?
Sokrates hatte die Antwort: Cogito ergo sum. Ich denke, also bin ich. Der Verstand unterscheidet den Menschen vom Tier.

Die Antwort dieses Festes, die christliche Antwort ist eine andere: Amo ergo sum.
Ich liebe, also bin ich.

Der Dreifaltigkeitssonntag erinnert uns daran, was die eigentliche Bestimmung des Menschen als Abbild Gottes ist:
Nicht ICH, sondern DU und WIR.
Beziehungen zu leben – gute, gesunde, liebende Beziehungen zu schaffen.

 

Darum wäre eine gute Frage an diesem Dreifaltigkeitssonntag:
Aus welchen Beziehungen leben Sie denn?
Welche Gemeinschaften sind für Sie lebenswichtig?
Und was tun Sie dafür?

Wo sagen Sie nicht ICH, sondern DU und Wir?

============================================================

GOTT - dreifaltig einer
nur der eine Gott
aber nicht einsam – ein ICH
kein starrer Punkt –
sondern Dynamik
ein DU und ein WIR
immer schon
von Anfang an

Ein Gott der Bewegung
ein Gott der Beziehung
ein Gott des Lebens
und vor allem -
ein Gott der Liebe

VATER
Ursprung allen Lebens
DU
vielfältig
uns und diese Welt schaffend
nach deinem Bild
schenkende Liebe
durch und durch

So große Liebe
dass du sie als SOHN
in diese Welt gebracht hast
sich diesem menschlichen Leben ganz aussetzend
bis in den Tod

Er ist das DU, das du von allem Anfang an gesagt hast.
Das DU das zum WIR wird.
zum GEIST der verbindet.

Dieses göttliche WIR
dieser Geist ist und bleibt lebendig zwischen uns
wenn wir uns öffnen
wenn wir IHN wirken lassen in uns
und durch uns in dieser Welt

Er lehrt uns
nicht ICH zu sagen,
sondern DU
und WIR

damit wir wirklich Menschen nach Deinem Bild sind.

nach einem Text von Beatrix Senft
www.predigtforum.com (2023)

=================================================

Einen schönen Sonntag wünscht Ihnen
Ihr
Ulrich Lühring