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Zeugnistag - oder: Barmherzigkeit statt Gerechtigkeit
Newsletter der Pfarrei St. Marien Baesweiler
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Geistlicher Impuls zum Sonntag - 7. Juni 2026![]() ZeugnistagEin Lied von Reinhard Mey (1978) Ich denke, ich muss so zwölf Jahre alt gewesen sein, und wieder einmal war es Zeugnistag. Dabei war’n meine Hoffnungen keineswegs hoch geschraubt, In diese Situation des Zeugnistages, von der Reinhard Mey da singt, können wir uns wohl alle einfühlen, auch wenn für die Meisten die Zeit lange her ist, das man vor Zeugnissen immer etwas gebangt hat. Für die Kinder und Jugendlichen sind es noch ein paar Wochen bis zum Zeugnistag – und viele können den Tag sicher ruhiger erwarten als Reinhard ihn besingt. Aber manche, deren Noten eher auf der Kippe stehen, haben wohl ähnlich mulmige Gefühle. Auch wenn unsere Schulzeit schon lange zurückliegt, kennen wir doch dieses Gefühl aus anderen Lebenssituationen:
Die Frage ist dann, wie wir mit unserem Versagen umgehen. Auch der Schüler, von dem Reinhard Mey singt, reagiert so (in der zweiten Strophe): Er versucht, das Zeugnis vor seinen Eltern zu verbergen. Er fälscht sogar ihre Unterschriften unter dem Zeugnis. Doch der Rektor deckt den Schwindel auf und zitiert den Übeltäter samt seinen Eltern zu sich. Die sollen ihren missratenen Sohn nun angemessen bestrafen. Mein Vater nahm das Zeugnis in die Hand Auch meine Mutter sagte, ja das ist mein Namenszug. Wer hätte eine solche Reaktion erwartet? Der Rektor sicher nicht. Der wird mit vor Staunen offenem Mund dagesessen sein. Mischt sich in die Bewunderung ob des großen Zusammenhaltes zwischen Eltern und Sohn nicht auch die Frage: Und wo bleibt die Moral? Das sind ja schöne Erziehungsmethoden… Reinhard Mey singt dazu: Ich wünsche allen Kindern dieser Welt,
Mit diesen Gedanken und diesem Lied im Kopf möchte ich mich jetzt dem heutigen Evangelium zuwenden. Und der Gerechtigkeit auf der anderen Seite, die der Rektor einfordert – und die auch eine Stimme in mir reklamiert.
„Barmherzigkeit will ich nicht Opfer“, dieses Wort des Propheten Hosea (aus der Lesung) zitiert Jesus nicht nur. Er lebt es. In der Begegnung mit IHM haben das viele Menschen heilsam und befreiend erfahren. Aber solcher Barmherzigkeit steht auf der anderen Seite die Gerechtigkeit gegenüber. Und das Gefühl, dass die Gerechtigkeit zu kurz kommt. Die Zöllner Matthäus war einer, der sein Leben verpfuscht hatte. Auf einer Stufe mit Betrügern und Verbrechern. Und ein Kollaborateur mit den verhassten Römern. Der Zöllner Matthäus wird seinen Ohren nicht getraut haben, als Jesus zu ihm sagte: „Folge mir nach.“ Aber es geht bei Jesus nicht um Verdienst, es geht auch nicht an erster Stelle um Gerechtigkeit, sondern um Barmherzigkeit. Das zieht sich sozusagen wie ein roter Faden durch das Handeln und die Botschaft Jesu: Bei Gott steht nicht an erster Stelle die Gerechtigkeit, sondern die Barmherzigkeit.
Ich sehe und erfahre, dass die Kirche, die sich auf diesen Jesus beruft, davon noch weit entfernt ist. Da steht Gesetz und Gerechtigkeit noch viel zu weit über Barmherzigkeit – wenn ich alleine an das kirchliche Eherecht denke und an den Umgang mit gescheiterten Ehen. Und wie ist das bei mir persönlich? Wo habe ich Barmherzigkeit durch andere erfahren?
Vielleicht kann man es auch so formulieren: Wie soll ich mich denn eine Ewigkeit lang in der Nähe dieses Gottes wohlfühlen, für den Barmherzigkeit wichtiger ist als Gerechtigkeit, wenn es für mich nicht so ist? Vielleicht ist das ja eine unserer großen Lebensaufgaben: Lerne (und lebe), was das bedeutet: Barmherzigkeit will ich, nicht Gerechtigkeit.
Link zum Song „Zeugnistag“: https://www.youtube.com/watch?v=fTmM-KdEV4I ======================================================================== Ein Segen Gottes Kraft Gottes Zärtlichkeit Gottes Weisheit Der Segen Gottes sei mit dir. Autor unbekannt ======================================================================= Herzliche Grüße, P.S. Der nächste "Geistliche Impuls zum Sonntag" erscheint am 28. Juni 2026. Bild © Peggy Marco (pixabay.com) |