Vom Joch des Glaubens

Newsletter der Pfarrei St. Marien Baesweiler
"Geistlicher Impuls"


Geistlicher Impuls zum Sonntag - 5. Juli 2026

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„Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt.
Ich werde euch Ruhe verschaffen.“
(Mt 11,28)

Diese Einladung aus dem Sonntagsevangelium klingt wirklich gut. Das wäre mal eine echte „Frohe Botschaft“.
"Wäre", denn das  was dann kommt, ist weniger einladend und erfreulich:

„Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir.“

 

Das macht mir den schönen ersten Satz fast zunichte. Es erinnert mich an das Evangelium der letzten Woche:
„Wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und mir nachfolgt, ist meiner nicht würdig.“
(Mt 10,38)

 

Geben diese Zitate nicht den zahlreichen Kritikern von Kirche und Glaube recht, so wie etwa Nietzsche sagt:

Die Kirche hat die Menschen mit unerträglichen Bürden beladen.
(F. Nietzsche, Menschliches, Allzumenschliches, Aphorismus 123)

Oder in ähnlicher Zielrichtung der Kirchenritiker Karlheinz Deschner:

Die Kirche hat den Menschen nie die Lasten des Daseins erleichtert, sondern sie hat im Namen Gottes noch die Last der Schuld und der Angst dazugepackt.
(Deschner, Kriminalgeschichte des Christentums)

 

Ist das so, dass der Glaube den Menschen Lasten auferlegt?
Ist das heutige Evangelium nicht sogar ein Beleg dafür?

Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir.

 

Um dieser Frage nachzugehen, müsste man zuerst einmal fragen, was ist denn das, ein „Joch“.
Im Lexikon steht: Ein Geschirr, mit dem ein Ochse vor einen Pflug oder einen Wagen gespannt wird. Oder: Eine Schultertrage, mit der Eimer oder schwere Körbe getragen werden.

Mit anderen Worten: Das Joch selbst ist nicht die eigentliche Last; sondern das Joch hilft uns, die Last zu tragen.
Das ist schon einmal eine wichtige Erkenntnis.

Im Bild vom Joch geht es nicht darum, Lasten aufzuerlegen, sondern Lasten zu tragen. Es geht darum, wie ich mit den Lasten im Leben umgehe.

Letztlich geht es um ein großes Missverständnis in Sachen Glauben.
Viele Menschen meinen nämlich: Du musst nur fest genug glauben, dann lösen sich die Lasten des Lebens in Luft auf.

Das Alte Testament ist voll von diesem Missverständnis.
Es müsste doch so sein, dass es dem guten und frommen Menschen gut geht – und dem bösen Menschen schlecht.
Aber so ist es nicht.
Im Buch Kohelet geht es eigentlich nur um dieses Thema.
Es ist nicht so, dass der Glaube, ein frommes und gutes Leben uns vor den Lasten des Lebens schützt.

Der Glaube ist kein Schutzschirm.
Aber was ist er dann?
Nicht der Schutzschirm, aber ein Joch.

Unser Glaube nimmt uns nicht die Lasten des Lebens weg, aber er hilft uns sie zu tragen.

Manchmal denke ich: Was sind das für arme Menschen, die keinen Glauben haben. Solange alles gut funktioniert im Leben, merkt man es vielleicht noch nicht. Aber wenn es anders kommt im Leben, wenn wirkliche Lasten und Probleme auftauchen: Wo finden diese Menschen dann Halt?

Gerade wenn es um echte Lasten im Leben geht, bin ich froh, meinen Glauben zu haben.
Denn er hilft mir, mit wirklichen Problemen und auch mit großen Lasten umzugehen.

Am Ende steckt in diesem Bild vom Joch wirklich noch ein Evangelium, eine echte "Frohe Botschaft":
Unser Glaube bewahrt uns nicht vor den Lasten im Leben. Aber er hilft uns, sie zu tragen.

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Unser Glaube ist wie ein Tragejoch.


Er nimmt uns die Last des Lebens nicht von den Schultern.
Er macht den Weg nicht kürzer.
Er bewahrt uns nicht vor den Tagen, die schwer sind.
Und doch verändert er, wie wir tragen.


Was uns niederdrücken will, verliert etwas von seiner Macht.
Wir gehen nicht allein unter dem Gewicht.


Christus geht mit uns, Schritt für Schritt.
Seine Nähe richtet auf, wenn die Kräfte schwinden.
Sein Wort gibt Halt, wenn der Boden unsicher wird.
Seine Liebe trägt mit,
was wir selbst nicht mehr halten können.

So wird aus der Last kein leichtes Gepäck.
Aber sie wird zu einer Last, die wir nicht allein tragen müssen.


Der Glaube legt sich wie ein Joch auf unsere Schultern.
Nicht als zusätzliche Bürde, sondern als Hilfe zum Tragen.
Und am Ende entdecken wir:
Gott hat den größeren Teil der Last getragen.

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Mit sonntäglich-frohen Grüßen,
Ihr
Ulrich Lühring