Nur ein Glas Wasser

Newsletter der Pfarrei St. Marien Baesweiler
"Geistlicher Impuls"


Geistlicher Impuls zum Sonntag - 28. Juni 2026

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Welche Gedanken gingen Ihnen durch den Kopf, als Sie das Evangelium (Mt 10,37-42) hörten?
Hatten Sie ein gutes Gefühl – oder eher ein gemischtes oder sogar ein schlechtes?

Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, ist meiner nicht wert.
Wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, ist meiner nicht wert.

Das klingt jedenfalls für mich nicht nach froher Botschaft.
Das klingt erstens nach Überforderung. Nach entweder – oder.
Und es klingt zweitens so, als würde Jesus sich zwischen einen Menschen und seine Familie stellen. Es klingt, als wolle Jesus, dass wir die Beziehung zu unseren wichtigsten, zu unseren liebsten Menschen geringschätzen.
Kann das sein?

Kann es sein, dass Jesus sich gegen das 4. Gebot stellt? Du sollst Vater und Mutter ehren.
Es lohnt sich offensichtlich, nach der Botschaft in diesen scharfen Worten Jesu zu suchen.

 

Was meiner Meinung nach nicht sein kann ist, dass Jesus gegen die Liebe zur Familie ist. Er ist auch sicher nicht gegen Freundschaft, Nähe oder Bindung. Dafür redet er doch viel zu oft von der Liebe.
Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.

Jesus will, dass wir Menschen lieben. Jesus will, dass Liebe gelingt. Das steht für mich schon mal fest.
Aber Jesus weiß auch: Liebe gerät aus dem Gleichgewicht, wenn ein Mensch, eine Beziehung oder irgendetwas sonst an die Stelle Gottes rückt.
Und das ist der entscheidende Punkt.

Was Jesus will, ist nicht zu fragen: „Liebst du deine Familie zu sehr?“
Es geht eher um die Frage: Was steht in deinem Leben ganz oben? Woran hängt wirklich dein Herz?

Das, was ganz oben steht, prägt alles andere.

  • Wenn Erfolg ganz oben steht, wird ein Mensch irgendwann hart.
  • Wenn Anerkennung ganz oben steht, wird er abhängig von der Meinung anderer.
  • Wenn Geld ganz oben steht, wird er berechnend.

Jesus sagt: Setz Gott an die erste Stelle.
Nicht, damit alles andere kleiner wird, sondern damit alles andere seinen richtigen Platz bekommt.

Wer Gott an die erste Stelle setzt, liebt nicht weniger. Er liebt freier. Er muss nicht klammern. Er muss andere nicht besitzen. Er muss sie nicht für das eigene Glück verantwortlich machen. Er kann Menschen lieben, ohne sie zu überfordern.
Mach aus keinem Menschen deinen Gott.

Es klingt ja auf den ersten Blick nicht falsch oder sogar gefährlich, wenn jemand sagt: Für mich steht mein Partner, meine Familie an erster Stelle.
Aber so ungefährlich ist es eben nicht.

Jeder Psychologe oder Therapeut würde wohl bestätigen, wie oft heute Beziehungen überfrachtet werden.
Der Partner soll alles sein: bester Freund, Lebenssinn, Glücksgarant.
Die Kinder sollen verwirklichen, was im eigenen Leben unerfüllt geblieben ist.
Die Familie soll jede Krise auffangen.

 

Jesus sagt: Mach aus keinem Menschen deinen Gott.
Das kann kein Mensch leisten. Das kann kein Mensch aushalten.
Nicht der Partner. Nicht die Kinder. Nicht die Eltern. Nicht der beste Freund.

Nur Gott kann Gott sein.
Und wenn Gott Gott sein darf, dann dürfen Menschen wieder Menschen sein.
Keine Heilsbringer. Kein Besitz. Keine Projektionsfläche oder Lebensversicherung.
Sondern Geschenk.

 

Wissen Sie, was mir an diesem Evangelium am meisten gefällt?
Der letzte Satz.

Nach den großen und schweren Worten über Liebe, Kreuz, Verlieren und Finden spricht Jesus von einem Becher Wasser.
Wer einem von diesen Kleinen auch nur einen Becher frisches Wasser zu trinken gibt, wird gewiss nicht um seinen Lohn kommen.

Jesus beginnt mit schweren, ja scharfen Worten, aber er landet bei einem Glas Wasser. Als wolle er sagen: Glaube entscheidet sich nicht zuerst in den großen, dramatischen Augenblicken. Glaube entscheidet sich im Kleinen.

In einem Glas Wasser. In einem offenen Ohr. In einem kurzen Besuch oder einem Anruf. In einem guten Wort, einer Entschuldigung, einem stillen Dienst.
So ist Christsein. Nicht immer groß. Aber echt.

 

Fang da an, wo du bist. Vielleicht ist genau das heute wichtig.
Viele fragen: Was kann ich schon bewirken?
Die Welt ist kompliziert. Die Gesellschaft ist gereizt. Der Ton wird rauer und die Hoffnung kleiner.

Und Jesus sagt: Fang mit dem Becher Wasser an. Fang da an, wo du bist.
n deiner Familie. In deiner Nachbarschaft. Am Arbeitsplatz. In der Schule. An der Supermarktkasse.
Du musst nicht die ganze Welt retten. Aber du kannst verhindern, dass es um dich herum kälter wird.

 

Vielleicht ist das die eigentliche Frage dieses Evangeliums: Merken die Menschen an mir, dass Christus in meinem Leben die Mitte ist?
Weil ich anders lebe.
Nicht weil ich ständig fromme Worte mache, sondern weil ich den Becher Wasser gebe, da wo es nötig ist.

Idee: Bernd Michael Pawellek
predigtforum.com

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Dem Anderen ein Glas Wasser reichen.
Eine kleine Bewegung der Hand.
Kaum der Rede wert und doch voller Bedeutung.

Jesus selbst hat die unscheinbaren Gesten gesehen.
Er wusste, wie sehr Menschen nach Aufmerksamkeit dürsten.

Nicht immer können wir große Lasten tragen.
Nicht immer finden wir die richtigen Worte.
Aber wir können wahrnehmen, wer neben uns steht.

Wir können innehalten und teilen, was wir haben.
Ein Glas Wasser.
Ein freundlicher Blick.
Ein stilles Dasein.

Vielleicht wird daraus neue Hoffnung geboren.
Vielleicht erfährt ein Mensch darin Gottes Nähe.

Denn Liebe zeigt sich oft nicht im Außergewöhnlichen.
Sie wächst in den kleinen Gesten des Alltags.

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Denken Sie an das Glas Wasser, nicht nur an diesem Hitzesonntag - und kommen Sie gut und gesund durch den Tag.

Herzliche Grüße,
Ihr
Ulrich Lühring