Von guten Mahl-zeiten

Newsletter der Pfarrei St. Marien Baesweiler
"Geistlicher Impuls"


Geistlicher Impuls zum Sonntag - 2. August 2026

Use AI Image Jul 31, 2026, 16_04_17

Warum bezahlt ihr mit Geld, was euch nicht nährt?

Was Jesaja da in der heutigen Lesung (Jes 55,1-3) vor rund 2.800 Jahren schreibt, könnte auch aus einem ganz modernen „Handbuch für richtige Ernährung“ stammen.
Warum bezahlt ihr mit Geld, was euch nicht nährt?

Ich muss da an die Sendung „Besseresser“ im Fernsehen denken, wo ein „Produktentwickler“ bekannte Fertigprodukte und Fastfood auf ziemlich unappetitliche Weise nachbaut (um nicht zu sagen: zusammenpanscht).
Da lernt man dann, dass in „Erdbeerjoghurt“ alles drin ist – außer richtigen Erdbeeren.
Oder in Saft mehr Zucker als Obst.

Mich lassen solche Sendungen im Fernsehen immer sehr ratlos zurück: Was soll man denn noch essen?

Hört auf mich, dann bekommt ihr das Beste zu essen und könnt euch laben an fetten Speisen.

 „Fette Speisen“ – da merkt man, wie sich die Zeiten geändert haben.
Zu Jesajas Zeiten war „fettes Essen“ so ziemlich das Beste, was man sich vorstellen konnte – heute eher ungesund und dickmachend.

Warum bezahlt ihr mit dem Lohn eurer Mühen, was euch nicht satt macht?

 Geht es Jesaja denn überhaupt um das Essen?
Oder geht es ihm um einen Hunger ganz anderer Art – und um das, was wir kaufen und bezahlen, um unseren Lebenshunger zu stillen?

Noch nie hat der Mensch soviel Freizeit gehabt wie heute, noch nie wurde so viel Geld ausgegeben für Freizeit und Unterhaltung.
Aber ist der moderne Mensch glücklicher?

Die Urlaubsziele liegen immer weiter weg.
Die Urlaubshotels werden immer komfortabler.
Die Freizeitangebote immer attraktiver.

Aber kommen wir wirklich erholter und zufriedener aus dem Urlaub als meine Eltern, die 14 Tage an die Nordsee gefahren sind – und deren einziges Freizeitangebot aus einer Luftmatratze am Strand bestand?

Warum bezahlt ihr mit Geld, was euch nicht nährt? - das ist die erste Frage an diesem Sonntag uns uns, an Sie und mich.

Stillt das, wofür wir oft viel Geld ausgeben, wirklich unseren eigentlichen Lebenshunger?

 

Aber ich muss doch noch einmal auf das Thema "Essen" zurückkommen, denn das Nachdenken über diese Jesaja-Lesung hat mich an einen Spruch (oder besser: an ein Wortspiel) erinnert:

Der Mensch ist, was er isst.

So wie wir leben, so essen wir. So wie wir essen, so leben wir.
Das bestärkt mich ja in meiner Meinung: Wenn du bist, was du isst, dann will ich nur die guten Sachen essen.

Dabei geht es aber nicht nur darum, WAS wir essen, sondern auch WIE wir essen. Es geht um das Stichwort „Esskultur“.
Ich muss dabei immer wieder an die Erfahrungen als Kaplan in den Ferienlagern denken. Meistens hat es eine Woche gedauert, bis so etwas wie Esskultur bei den Mahlzeiten möglich war: Dass man gemeinsam anfängt, dass alle etwas abbekommen von der Schüssel in der Mitte, dass man nicht aufsteht, wenn man selbst satt wird…

Ich erinnere mich an einen speziellen Kandidaten, der auch nach zwei Wochen noch die Grundbegriffe von Esskultur nicht verstanden hatte.
Auf meine Frage „Wie macht ihr das denn zuhause?“ gab er mir die Antwort: „Bei uns isst jeder, wenn er Zeit und Hunger hat. Wir haben ja eine Mikrowelle. Gemeinsam essen wir vielleicht mal sonntags, aber da gibt es dann immer Streit.“

Essen ist ein menschliches Grundbedürfnis.
Aber es ist auch mehr.
Es ist ein Akt der Gemeinschaft. Zusammen mit anderen wird aus dem Essen als bloße Nahrungsaufnahme eine Mahlzeit.
Ein schönes Wort, in dem zwei wichtige Worte stecken: Mahl und Zeit.

Wir haben immer weniger Zeit. Und wir haben zu unterschiedlichen Zeiten Zeit.
Und oft haben wir etwas Besseres zu tun, als miteinander zu essen.

Das waren noch Zeiten, als man zur Mahlzeit zu Tische lag.
Wer sich, wie die alten Römer, zu Tisch hinlegt um zu essen, der hat sich auf längere Zeiten eingerichtet.

Fast möchte man heute sagen: Das waren noch Zeiten, als man sich zum Essen hinsetzte.
Bei uns stehen doch immer mehr Menschen, wenn sie essen.
Oder sie essen gleich im Gehen.
Fast-Food.

Es ist sicher kein Zufall, dass nicht nur im heutigen Sonntagsevangelium, sondern immer wieder nicht nur vom Essen, sondern von wirklichen Mahlzeiten die Rede ist.
Dass Jesus ausgerechnet ein Mahl auswählt und sagt: „Tut dies zu meinem Gedächtnis!“

Die wunderbare Brotvermehrung, von der das heutige Sonntagsevangelium erzählt, fand nicht als Fast-Food im Stehen statt.
Jesus ordnete an, die Leute sollten sich ins Gras setzen.
Noch deutlicher wird es für mich im Lukas- und Markusevangelium, wenn Jesus sagt, die Leute sollen sich in kleinen Gruppen zusammensetzen.

Es geht nicht nur um Nahrungsaufnahme. Es geht um Gemeinschaft, Austausch,
Ich würde auch sagen, es geht um Esskultur.

Diese beiden Impulse nehme ich mit aus den heutigen Lesungstexten:

  • Ist das, wofür ich Geld und Energie ausgebe, wirklich (im Sinne von Jesaja) „fette Speise“, die meinen eigentlichen Lebenshunger stillt?

  • Sind meine Mahl-zeiten mehr als Nahrungsaufnahme. Und wie steht es mit meiner Esskultur.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen in der kommenden Woche: viele gesegnete Mahlzeiten.

=================================================================

Herr, ich komme immer wieder
mit meinem Hunger vor dich.


Ich hungere nach Liebe, nach Frieden,
nach Geborgenheit.
Ich hungere nach Wahrheit
und nach einem Sinn, der mich trägt.

Oft nähre ich mich von dem,
was nicht wirklich satt macht.
Dann frage ich mich: Was brauche ich wirklich?
Womit stille ich meinen Lebenshunger?
Für welches Mahl nehme ich mir Zeit?

Herr, du bist das Brot des Lebens.
Lade mich immer neu an deinen Tisch
und lehre mich, aus dir zu leben.

Schenke mir, was mich wirklich satt macht
und gesegnete Mahl-zeiten.

=========================================================

Herzliche Grüße,
Ihr
Ulrich Lühring

P.S. Das gesuchte Filmzitat in der heutigen Predigt ist (zugegebenermaßen) nicht ganz leicht zu finden.
Es steht daher diesmal auch im "geschriebenen Wort" des Sonntagsimpulses. ;-)