Was ist denn "Unkraut"?

Newsletter der Pfarrei St. Marien Baesweiler
"Geistlicher Impuls"


Geistlicher Impuls zum Sonntag - 19. Juli 2026

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Geistlicher Impuls zum Sonntag - 19. Juli 2026

Manchmal wird aus "Unkraut" sogar Heilkraut

Wenn ich jetzt im Sommer durch die Felder spazieren gehe, komme ich an Äckern vorbei, die sind (zumindest an einem recht breiten Rand) bewachsen mit dem, was man wohl Unkraut nennen würde.
Manchmal steht dann mitten im "Unkraut" ein Schild: „Hier tun wir etwas für die Bienen.“
Vor fünf oder zehn Jahren war das noch ziemlich undenkbar oder höchst selten. Wer hätte da an Bienen gedacht, wenn von Unkraut die Rede war.

Mit diesem Bild und diesem Gedanken im Hinterkopf wende ich mich dem heutigen Evangelium zu.

Wobei Eines natürlich klar ist: Wenn Jesus vom Weizen und Unkraut spricht, dann ist er kein Berater vom Bauernverband – und auch kein Interessenvertreter vom Imkerbund. Sein Thema ist (wie er es nennt) das Himmelreich – um das eigentliche Ziel unseres Lebens.
Es geht um die Ernte des Lebens – und die wächst hier auf der Erde.

Aber es wächst eben nicht in Frieden vor sich hin. Da wächst auf demselben Boden etwas, das der guten Frucht das Leben schwer macht.
Wäre es nicht gut, beizeiten klare Verhältnisse zu schaffen? Das Unkraut auszureißen?

Ich finde es erstaunlich, mit welcher Gelassenheit im Evangelium der Bauer reagiert, der den guten Weizen gesät hat. Im Zusammenwachsen von Weizen und Unkraut scheint er ja gar keine Gefahr zu sehen.
Er verbietet ja seinen Arbeitern geradehin das Ausreißen des Unkrauts.
Warum das?

Ich denke an das Bild vom Anfang, das mir sagt: Man glaubt, Gut und Böse immer genau unterscheiden zu können. Man plant makellose Felder ohne Unkraut – und am Ende sterben die Bienen.

 

Das ist eine erste Erkenntnis für mich aus diesem Evangelium: Es ist ein Fehler zu meinen, dass das Gute nur ohne Anfeindung gedeihen kann.


Es gibt im Leben nicht das perfekte Weizenfeld ohne Unkraut.
Die Kirche ist kein lupenreines Weizenfeld – da gibt es reichlich Unkraut.
Unsere Gemeinde ist es nicht.
Unsere Familie ist es nicht.

Auch ich selbst bin kein Feld, in dem es nicht auch Unkraut gäbe.

 

Das ist mir eine zweite, wichtige Erkenntnis aus diesem Evangelium: Wir sind immer in Gefahr zu meinen, dass wir die Guten sind – und die Bösen, das sind natürlich die anderen.
Dabei ist das Gute und das Böse in jedem drin und manchmal sehr nah beieinander. Da bricht auf einmal das Unkraut durch – und wir fragen uns hinterher: Wie konnte das denn passieren?

Wir bilden uns ein, die Grenze ziehen zu können zwischen Weizen und Unkraut, zwischen Gut und Böse.
Der Bauer im Evangelium lässt beides wachsen.
Und wir wissen, dass Jesus mit diesem Bild Gott meint.

Gott lässt jeden seinen Weg gehen.
Erst am Ende entscheidet sich, was wirklich Unkraut ist.

Wobei: Was beim Unkraut nicht möglich ist, das ist beim Menschen möglich. Er kann sich nämlich ändern.

 

Am Ende meiner Gedanken noch ein Kalenderspruch:
Wir sprechen vom Unkraut, so lange wir nicht wissen, wofür etwas gut ist.
Wenn wir es wissen, dann heißt es auf einmal Kraut, manchmal sogar Heilkraut.

 Predigtidee: Jürgen Jagelki (Gottes Wort im Kirchenjahr)

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Zwischen dem guten Weizen entdecke ich oft Unkraut.
Und oft genug ärgere ich mich darüber.
Am liebsten würde ich es ausreißen.
Sofort. Gründlich. Für immer.

Doch du bittest mich zu warten.
Nicht aus Gleichgültigkeit.
Sondern aus Liebe zu allem, was noch wachsen will.

Denn ich sehe nur den Augenblick.
Du siehst die ganze Geschichte.

Manches, was ich vorschnell verwerfe,
trägt morgen schon Blüten des Lebens.
Manches Unkraut wird zum Heilkraut.

Vielleicht gilt das sogar für mich.
Für das, was ich an mir nicht leiden kann.
Unter deiner großzügigen Hand darf alles wachsen,
bis deine Liebe das Gute vollendet.

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Herzliche Grüße und einen schönen Sonntag,
Ihr
Ulrich Lühring

P.S. - Das "Filmzitat" zu unserem "Sommerferienrätsel" gibt es nur in der gesprochenen Predigt und nicht im "Geistlichen Impuls zum Sonntag".