Was Chappi mit der Predigt zu tun hat...

Newsletter der Pfarrei St. Marien Baesweiler
"Geistlicher Impuls"


Geistlicher Impuls zum Sonntag - 12. Juli 2026

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Kennen Sie den Unterschied zwischen einer Predigt und einer Dose Chappi?
Chappi ist für den Hund – die Predigt ist für die Katz´.

Das ist ein sehr alter Witz unter Pastören. Und (um das schon mal vorwegzunehmen): Ich bin durchaus nicht dieser pessimistischen Meinung.

Aber wie ist das denn mit den Predigten? Ich habe mal grob überschlagen, dass ich an die 10.000 Predigten gehalten habe.
Hat sich denn dadurch die Welt verändert?
Hat sich überhaupt irgendetwas geändert?

Wie ist das denn mit den Lesungen, die wir Woche für Woche hören?
Können Sie denn am Montag noch sagen, welche Lesung Sie am Sonntag gehört haben?
Ist das nicht doch alles für die Katz´?

Ich denke an die bange Frage der Katechetinnen in der Kommunionvorbereitung, wenn nach der großen Feier kaum noch ein Kind oder eine Familie in der Kirche gesehen wird:
War alles für die Katz´?

Ich denke an die Frage vieler Eltern, die versuchen, ihren eigenen Glauben an die Kinder und Enkel weiterzugeben – und damit immer mehr scheitern.

Ich habe den Eindruck: Auch Jesus kennt durchaus diese Frage, diesen Zweifel am Erfolg der Verkündigung.
Sozusagen als Antwort auf die Frage erzählt er das Gleichnis vom Sämann.

Um das Gleichnis richtig zu verstehen, muss man wissen, dass zur Zeit Jesu die Aussaat ganz anders erfolgte als heute bei uns. Damals wurde nämlich nicht in ein sorgfältig vorbereitetes Feld gesät, so wie heute bei uns. Erst recht nicht punktgenau dosiert mit Maschinen.
Damals wurde erst gesät, immer eine Handvoll Samen mit großem Schwung über das Feld geworfen -  und dann (grob) umgepflügt.
Der Sämann sät unter die Dornen, weil sie später mit untergepflügt werden.
Er sät auf den Weg, den die Dorfbewohner durch das Feld getreten haben.

Dann wird umgepflügt. Und das Warten beginnt.
Aus diesem fast schon hoffnungslosen Unterfangen wird im Evangelium ein Erfolg, der jede Prognose übersteigt.
Alles über einem 5-fachen Ertrag war normal. Ein 10-facher Ertrag wirklich gut. Aber ein 30-facher, 60-facher, 100-facher Ertrag (wie im Evangelium) schier unmöglich, unglaublich.

Das Evangelium ist eine Ermutigung für alle Eltern und Großeltern, für alle LehrerInnen und KatechetInnen: Ihr könnt nicht mehr tun, als die Saat auszusäen. Zwingen kann man nichts. Aufgehen muss die Saat von alleine.
Aber eins dürft ihr nicht: Aufgeben und aufhören zu säen, weil „es ja doch keinen Zweck hat“.

 

Und noch etwas ist mir wichtig bei diesem Bild von der Aussaat: Der Sämann greift eine Handvoll Samen und wirft sie im großen Bogen aus.
Aber aufgehen kann immer nur ein einzelnes Samenkorn, weil es Boden findet und Wurzeln schlägt.

Der Sämann streut breit, aber aufgehen tut das eine Samenkorn, das eine Wort, der eine Gedanke, der mich anspricht, der mit mir und meinem Leben zu tun hat.

 

Dieses Bild, dieser Gedanke verändert die Art und Weise, wie ich umgehe mit der Flut von Worten, von Anregungen jeden Sonntag – in Predigt, Lesung, Fürbitten, Meditation.
Es geht nicht darum, möglichst viel davon zu behalten.
Es geht darum, das eine Wort, den einen Gedanken zu hören, der genau mich meint.
Dieses Samenkorn in mein Herz fallen zu lassen, mitzunehmen in meinen Alltag, damit es dort Frucht bringt.

Frère Roger Schutz aus Taizé hat es einmal (sinngemäß) so formuliert:

Wenn ich aus dem ganzen Evangelium nicht mehr verstanden hätte als einen einzigen Satz,
wenn ich aber diesen einen Satz konsequent leben würde:
Er würde mein Leben verändern.

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Ein Sämann ging aufs Feld, um zu säen.
Das Feld, von dem Jesus erzählt, liegt nicht irgendwo vor den Toren der Stadt.
Es ist mein Herz.

Es trägt die Spuren eines Lebens.
Hartgetretene Wege, steinige Stellen,
Dornen und gute Erde.

Der Sämann fragt nicht nach der Qualität des Bodens.
Er vertraut seinem Samen.
Er wirft die Samen in großem Bogen,
aber aufgehen muss jedes Samenkorn für sich.

Welches Samenkorn geht auf in meinem Herzen?
Ein Wort, das mich trifft, weil es mich meint.
Ein Satz, der mich aufhorchen lässt.
Ein Gedanke, der mich nicht mehr loslässt.

Ich muss nicht alles festhalten.
Es genügt, das eine Korn zu finden,
das für mich bestimmt ist.
Wenn ich ihm Raum gebe, wird es Wurzeln schlagen.
Und es wird Frucht bringen.

Ulrich Lühring

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Herzliche Grüße,
Ihr
Ulrich Lühring