Im Schilderwald der Gebote

Newsletter der Pfarrei St. Marien Baesweiler
"Geistlicher Impuls"


Im Schilderwald der Gebote

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Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten…

Die Gebote halten – das ist so ein Ausdruck, den man nur zu hören braucht, um dann gleich innerlich zusammenzuzucken. Die Gebote halten!
Bekommen wir sie überhaupt noch zusammen, diese Gebote, die es zu beachten gilt?

Die großen, die zehn Gebote bekommen wir sicher noch irgendwie zusammen, vielleicht nicht in der richtigen Reihenfolge: nicht töten, nicht stehlen, nicht ehebrechen – das sollte ja in der Regel kein Problem sein.
Nicht lügen, Vater und Mutter ehren, den Sonntag heiligen – da wird es ja schon eher problematisch.

Und dann gibt es ja auch noch eine ganze Menge anderer Gebote, die sogenannten „kirchlichen Gebote“:

  • Du sollst deine Sünden jährlich wenigstens einmal beichten.
  • Du sollst zu Ostern die heilige Kommunion empfangen.
  • Du sollst die Satzungen der Kirche befolgen.
  • Du sollst die Kirche finanziell in ihren Anliegen unterstützen.

Ich behaupte mal: Da wird es bei Vielen noch schwieriger.
Und was ist mit dem wirklich großen, dem „christlichen 11 Gebot“:

Ein neues Gebot gebe ich euch.
Liebt einander, wie ich euch geliebt habe.
Joh 13,34

 

Als ob man diesem „Gebotekatalog“ jemals gerecht werden könnte!
Wer kann all die Gebote wirklich halten?
Ich komme mir da eher vor, wie im Schilderwald auf manchen deutschen Straßen, wo ich mich frage: Soll ich jetzt Schilder studieren oder Auto fahren?

Aber steht da nicht im Evangelium: Wer die Gebote hält, wird von Gott geliebt?
Heißt das dann umgekehrt: Wer die Gebote nicht hält, wird von Gott nicht geliebt?
Und das heißt: düstere Aussichten!
Im Gebote-Halten versagt und deshalb von Gott nicht geliebt: „Auf Wiedersehen in der Hölle“.

 

Zum Glück hat diese Vorstellung mit Jesus von Nazareth und seiner Botschaft aber so was von wenig zu tun. Vom wem haben wir uns denn dieses kleinkarierte Gebote-Aufzählen einreden lassen?
Jesus ist es ganz bestimmt nicht gewesen. Der hat doch nie irgendwelche Gebote aufgezählt.
Ganz im Gegenteil. Wenn es notwendig war, hat er sie sogar links liegen lassen. Wie oft hat man ihm vorgeworfen, das er es nicht genau genug nimmt mit den jüdischen Geboten: Kranke geheilt am Sabbat, Ähren abgepflückt, nicht ordentlich gefastet.

„Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten…“ – was Jesus gemeint hat, kann für mich kein Abarbeiten eines Gebotekataloges sein. Jesus hat immer wieder den Menschen in den Mittelpunkt gestellt. Und nichts anderes erwartet er auch von uns.

Ein neues Gebot gebe ich euch:
Liebt einander.

Gott lieben und den Nächsten lieben wie sich selbst – das ist alles, was nötig ist (Mk 12,29).
Niemand kann behaupten, dass ihm an Gott und an Jesus Christus etwas liegt, wenn ihn der andere Mensch kalt lässt.
Niemand darf sich Christ nennen, der diesen Christus nicht im Nächsten, in jedem Menschen sieht, der ihm begegnet.

Da könnte ich noch so oft zur Kirche laufen. Da könnte ich noch so viele Gebete sprechen und alle Fast- und Abstinenztage einhalten und alle Feste feierlich begehen. Wenn mein Hauptaugenmerk nicht darauf gerichtet ist, mit anderen gemeinsam das Leben so zu gestalten, dass es für möglichst alle lebenswert ist - dann gehe ich an der Botschaft Jesu vollkommen vorbei.

Diesem Jesus ging es immer um Menschlichkeit, nicht um einen Gebotekatalog. Die Vorstellung, ich könnte mir die Liebe Gottes durch die Befolgung möglichst vieler Gebote verdienen, ist für mich völlig daneben. Schauen wir doch auf das, was Jesus nie müde geworden ist zu betonen: Dass Gott die Liebe ist, und dass seine Liebe nicht berechnend ist, nicht aufrechnend und nachrechnend.

SEINE Liebe ist mir immer schon geschenkt, bedingungslos. Ich kann sie nicht verdienen. Und ich muss sie nicht verdienen.
Ich muss sie einfach nur annehmen.

Aber weiterschenken kann ich sie, diese Liebe.
Und genau das und nichts anderes erwartet Jesus von uns.
Davon bin ich überzeugt – und daran glaube ich.

"Liebe - und dann tu was du willst" - ist ein berühmtes Zitat des Heiligen Augustinus.
Es ist kein Freibrief, die Gebote links liegen zu lassen, sondern ein Aufruf, aus einer Haltung der Liebe zu handeln, wodurch mein Tun zwangsläufig zum Guten führt.

Wenn Sie sich die ganzen Gebote nicht merken können, merken Sie sich einfach diesen Satz - und vor allem leben Sie danach: Liebe - und dann tu was du willst.

Idee: www.joerg-sieger.de

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Viele Ziele

überall
und immer wieder
Bilder, Zeichen, Schilder
Piktogramme und Signale
- die mir sagen wollen
wo´s langgeht
und dabei viele Ziele zeigen

- Gebote, Verbote, Angebote

nichtige, richtige und wichtige
- auch solche, die sich tarnen
vor denen gilt´s zu warnen

ja - da sind der Ziele viele

doch - wo geht´s lang
zum Ziel der Ziele?

Klaus Jäkel
In: Pfarrbriefservice.de

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Einen frühlingshaft schönen Sonntag
wünscht Ihnen
Ihr

Ulrich Lühring